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Informationen aus den Kirchengemeinden der Region Ratekau

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Gottesdienste

14.06.20 18:00 Uhr: Abendgottesdienst

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Veranstaltungen

05.06.20 14:30 Uhr: Seniorenkreis ( jeden Freitag )

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Spendenprojekte

Spenden der Sparkassenstiftung für die Feldsteinkirche

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14.05.20 - 23.05.20

Sonntagsgruß zum 17.Mai 2020

Liebe Gemeinde! „Gott ist nur ein Gebet weit von uns entfernt“, so sagt die jüdische Schriftstellerin Nelly Sachs. Nur ein Gebet weit von uns entfernt. Wenn wir beten, ist Gott da. Gegenwärtig. Um das Beten geht es heute am Sonntag Rogate. Rogate - Das ist Latein und bedeutet „Betet!“ oder „Bittet!“ Dieser Aufforderung kommen wir in jedem Gottesdienst nach. Es heißt: Lasst uns beten, und wir falten die Hände, konzentrieren uns, suchen das Gespräch mit Gott. In Dank und Bitte um Erbarmen, in der Fürbitte, in der Bitte um Segen. Außerhalb des Gottesdienstes ist das Beten möglicherweise etwas aus der Mode gekommen. Ich sage das ganz vorsichtig, denn das Beten ist etwas ganz Privates, über das man nicht viel spricht und sprechen sollte. Aber möglicherweise geht es auch Ihnen und Euch so: Wir möchten wohl gern und mehr beten, aber Zeit und Umstände lassen das nicht zu. Oder wir sind einfach aus der Übung gekommen. Und so ist unser privates Gebetsleben mit der Zeit verkümmert. In dieser Zeit der eingeschränkten Kontakte wird umso schmerzlicher spürbar, dass uns mit den eingeschränkten Möglichkeiten gemeinsam im Gottesdienst zu beten etwas fehlt. Fulbert Steffensky, einer meiner theologischen Lehrer, hat in seinem Buch „Das Haus, das die Träume verwaltet“ dazu geschrieben: „Beten ist keine Kunst, sondern ein Handwerk. Der durchschnittliche Mensch kann es lernen, wie er lesen und schreiben und kochen lernen kann. Es erfordert einige trockene Tugenden: Regelmäßigkeit, Pünktlichkeit, Ausdauer. Ein flammendes Gefühl ist nicht gefordert. Im Gegenteil, es ist einem ja meistens unwohl in der Mitte flammender Beter. Oft fehlt diesen Entflammten die Keuschheit, die Jesus vom Beter verlangt, wenn er ihn in die Kammer schickt und nicht zulässt, dass er sich auf dem Marktplatz demonstriert. Beten ist ein Stück Arbeit. Meistens ist das Beten wie das Arbeiten langweilig, und man ist froh, wenn es vorbei ist. Und doch entflammt das Gebet langsam das Herz. Der Beter lernt das Wünschen. Er lernt den Willen Gottes.“ Da spricht jemand, der aus einer reichen Tradition des Betens herkommt. Steffensky ist ein ehemaliger katholischer Mönch, aufgewachsen mit regelmäßiger Gebetstradition. Aus dieser Vergangenheit hat er sich mit seinem Abschied aus dem Kloster nicht einfach gelöst, sondern er versucht, uns seine Erfahrung weiterzugeben: Auch, wenn unser Gebet unvollkommen ist, macht es Sinn. Auch wenn wir nach den richtigen Worten und Gesten suchen, wenn wir stammeln und uns an Gebete halten, die wir vielleicht noch gar nicht ganz verstanden haben. Es kommt weder darauf an, mit schönen Worten zu beten, noch darauf, alles zu verstehen. „das Gebet entflammt langsam das Herz. Der Beter lernt das Wünschen. Er lernt den Willen Gottes.“ Darauf kommt es an. Der Bibeltext für heute ist die Stelle aus dem Evangelium nach Matthäus, an der Jesus selbst seine Jünger lehrt zu beten. Sie haben ihn bedrängt mit der Bitte: „Herr, lehre uns Beten!“ Sie wollen Anteil haben am inneren Gespräch Jesu mit Gott, und Jesus erfüllt ihnen die Bitte. Er sagt: „Wenn du beten willst, geh in dein Zimmer, schließ die Tür, und dann bete zu deinem Vater, der auch im Verborgenen gegenwärtig ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dich belohnen. Beim Beten sollt ihr nicht leere Worte aneinander reihen wie die Heiden, die Gott nicht kennen. Sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie, denn euer Vater weiß, was ihr braucht, und zwar schon bevor ihr ihn darum bittet.“ Und dann lehrt Jesus sie die sieben Bitten des „Vater unser“. Wenn wir uns einüben in Jesu Gebet, dann geschieht etwas mit uns, dann fangen wir an, die Dinge mit seinen Augen zu sehen. Es weitet unser Herz. Wer zu Gott „Vater“ sagt, wie Jesus es getan hat, öffnet sich und wird empfänglich. Das fängt schon damit an, ihn nicht „mein Vater“, sondern „unser Vater“ zu nennen. Dieser kleine Unterschied ist größer, als es auf den ersten Blick aussieht. Jesus sieht Gott nicht nur als seinen Vater, sondern er ist unser aller Vater. Das heißt: wer das Vaterunser betet, der macht sich diese Haltung Jesu zu eigen, der betet nicht nur für sich. Eine Ausgrenzung und Abwertung anderer Menschen ist mit dieser Haltung nicht vereinbar. Wer „Vater unser“ sagt, der erkennt im Mitmenschen den Bruder und die Schwester. Vielleicht nicht sofort und nicht vollkommen, aber das Gebet entflammt langsam das Herz. Der Beter lernt das Wünschen. Er lernt den Willen Gottes. Die ersten drei Bitten zeigen dann: Wir leben in der Erwartung der Herrschaft Gottes, seines Eingreifens und seiner Begleitung. Und wir stimmen uns darauf ein, in seinem Sinne zu leben: Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden! Angesichts der Pandemie und der Katastrophen in der Welt, angesichts der Ignoranz und der Unvernunft so vieler Menschen ist unübersehbar: die Vollendung des Gottesreiches steht noch aus. Aber angesichts von Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit mitten in diesem Chaos ist auch deutlich: es hat schon begonnen, das Leben im Sinne Gottes. Mit unserer Hoffnung und unserem Glauben, sind wir dahin unterwegs, in unserem vertrauensvollen Gebet. Die dunklen Seiten des Lebens bleiben dennoch, sie machen uns Angst und wir verstehen sie nicht. Auch das spricht Jesus an: Erlöse uns von dem Bösen! Das Böse ist für Jesus eine reale Macht. Sie findet aber ihren Meister in Gott. Sein ist das Reich und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit! So zu beten, kann auch uns deutlich werden lassen, wem wir eigentlich die Ehre geben wollen. Wollen wir vor allem auf uns selbst vertrauen mit unserer Kraft und Fertigkeit, das Leben zu meistern? Wollen wir uns von der Angst bestimmen lassen? Oder wollen wir versuchen, uns einzuüben in das Vertrauen auf Gott? Vielleicht klingt es anspruchsvoll und schwierig. Sich so zu Gott hin zu bewegen erfordert jedoch nicht mehr, als im Stillen mit den Worten zu beten, die uns Jesus gelehrt hat. Das übrige kommt von selbst: die Konzentration, das Aufleuchten der Bedeutung der einzelnen Bitten. Das Einüben in das Gespräch mit Gott. Und wenn es sehr gut geht schließlich auch das Einüben einer christlichen Grundhaltung im Leben. Angesichts solcher Ziele empfinde ich mein Gebet vielleicht nur als ein Sehnen, ein schwaches Klopfen und Suchen nach Gottes Nähe – aber schon das ist sehr, sehr viel! Jesus verspricht: Bittet, so wird euch gegeben werden, klopfet an, so wird euch aufgetan. Ihr Pastor Sönke Stein „Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manches Mal / in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, – so ist´s, weil ich dich selten atmen höre / und weiß: Du bist allein im Saal. Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da, / um deinem Tasten einen Trank zu reichen: ich horche immer. Gib ein kleines Zeichen. / Ich bin ganz nah. Nur eine schmale Wand ist zwischen uns, / durch Zufall; denn es könnte sein: ein Rufen deines oder meines Munds - / und sie bricht ein / ganz ohne Lärm und Laut.“ Rainer Maria Rilke In Ratekau feiern wir Rogate um 18 Uhr mit einem Abendgottesdienst.


Informationen

Veranstalter: Ratekau
Ort: Hauptstraße 10, 23626 Ratekau